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Tagebucheintrag 2: To-Do after New York

Posted on January 12, 2014

  • move to New York
  • write a bestseller
  • make the first million before my thirties
  • get famous
  • build a museum

Wir warten an der Bleeker Street auf die U-Bahn, als ich Christoph von meinen neuen Plänen informiere.

“Du gehst mir mit diesem vor dreißig Gerede echt auf die Nerven”, sagt er nur dazu. Warum? Denke ich erst und sage es dann auch.
Sehe ich gar nicht ein. Wer, wenn nicht ich, soll bitte “The one in a million” sein?

– Christoph, dass ich noch nicht famous bin liegt nur an dir. Gleich breche ich eine Streit vom Zaun, wenn ich so weiter mache. Christoph nennt so eine Situation gerne Szene.
“Willst du sagen, ich unterstütze dich nicht?” Ja. “Ich glaube es hakt.”

Ich weiß, ich habe das Zeug zum Überkünstler. Oder so. Nur Frauen haben ein generelles Problem in der Kunstszene, wegen den Männern. Mein Prof meinte, wer in der Kunst was werden will, muss mit den richtigen Galeristen schlafen. Ich schlafe mit dem Richtigen, aber deswegen bin ich noch lange nicht famous.

Wir verharren in der vom U-Bahn-Steig gebrochenen Szene etwa 20 Minuten und warten auf die M Linie. Unser Ziel ist The Dinner im Hipsterviertel Williamsburg. Es ist halb drei und der Laden schließt um vier. Im Fünfminuten-Takt kommt nur die F. Das und die Szene wird uns zu blöd und auf einem Schild lese ich endlich die Lösung: Die M fährt nur weekdays. Heute ist Samstag. Das wird wohl nichts mehr mit Burger im The Dinner.

 

#fail

Während wir abwägen was wir jetzt machen, übt neben uns das nächste American Idol “You make me feel” von Aretha Franklin – ob wir zuhören wollen, oder nicht. U-Bahn-Fahren in New York ist eine Jukebox. Bei jeder Station wird ein neuer Song gespielt.

Fotos & Reisetipps: New York, USA, Januar 2014

Posted on January 11, 2014



TIPPS:

Unterkunft:

Gewohnt haben wir im East Village in Manhattan. Dieses Viertel hat uns mit Williamsburg in Brooklyn am Besten gefallen. Unseren Airbnb-Host John empfehlen wir – sehr netter, in die Jahre gekommener Bohemian. Seine Wohnung wirkte wie ein Van Gogh, alles in Pastellfarben gehalten und Kunstdrucke an den Wänden. Es war kurz nach Weihnachten, daher hatte er einen Weihnachtsbaum mit vielen Büchern aus zweiter Hand als Geschenke darunter. Geschlafen hat er bis mittags, weil er nachts am liebsten arbeitet – wobei wir davon nichts mitbekommen haben.

Essen:

Gekocht haben wir fast immer selbst, das kommt in New York trotz gegenteiliger Meinung doch am günstigsten.

In Williamsburg haben wir für nur 3$ im Oasis die wohl bisher beste libanesische Falafel gegessen – nach der von Kudor im Münchner Beirut Beirut.

Von der Fotografin Ann-Sophie, die beruflich öfters in New York ist, hatten wir das Wythe Hotel empfohlen bekommen – wegen der Bar “with a view”. Wir waren dort, haben aber wegen Nebel leider nichts gesehen. Aber der Ausblick auf die Skyline ist sicher großartig. Die Cocktails dort waren bei durchschnittlich 10$ nicht ganz billig aber sehr gut, das Personal war super nett. Auf jeden Fall authentischer als zum Beispiel der Aussichtsturm im Rockefeller Center – das sah für uns vor Ort wie eine Massenabfertigung von Touristen aus. 30$ für 30 Minuten – nichts für uns.

Aktivitäten:

Kostenlos Kunst anschauen in Museen geht in New York, mehr dazu bei Free Nights NY. Wir waren im MOMA – allerdings war es dann natürlich sehr voll, aber war trotzdem sehenswert. Einplanen sollte man aber zeitlich auf jeden Fall, dass man seine Taschen aufgeben und dann auch wieder abholen muss.

Ansonsten for free und unbedingt zu machen:

  • über die Brooklyn Bridge zu Fuß laufen
  • durch den Central Park spazieren
  • den Broadway hoch oder runterlaufen, ab oder bis zum Finacial District
  • mit der Subway kreuz und quer fahren (kostet fast nichts)
  • möglichst viele Viertel anschauen: China Town, Little Italy, Soho, Meat Pack, East Village, Williamsburg
  • einen Blick ins und ums Rockefeller Center werfen
  • das Empire State Building von unten anschauen
  • Staten Island Ferry nehmen (aber nur die ist kostenlos!)
  • laufen, laufen, laufen und Genick-Starre bekommen

Shopping:

Wir lieben Secondhand. Williamsburg ist perfekt dafür. Wirklich fündig geworden sind wir im Buffalo Exchange und im Monk Vintage Thrift Shop.

Im Meatpack District ist uns noch ein Brillenladen aufgefallen, wegen den sehr geschmackvollen Gestellen: Warby Parker. Für jede gekaufe Brille, wird eine an eine bedürftige Person gespendet. Schönes Projekt, schöne Brillen. Dieser Laden ist allerdings nur bis zum 28. Februar 2014 dort.

In New York gelernt:


Für die Einreise sollte man schon eine Handvoll der Landeswährung davor umgetauscht haben. In New York braucht man sofort 5$ für den Airtrain, den man beim Aussteigen bezahlen muss. Der ATM an der Station ging nicht, daher war es ohne Dollars etwas umständlich. Eine Metrokarte (beinhaltet nicht den Airtrain) kostet 1$, wir haben für 30$ pro Person eine Wochenkarten gekauft, die wir sehr gut ausgenutzt haben. Wer Abends ausgehen will: Immer eine ID dabei haben. Das Alter wird in Bars und Clubs immer kontrolliert.


Interview: Daniel, der Fahrradkurier

Posted on January 10, 2014

Daniel, Soho, New York (c) Veronika C. Dräxler

Vom MoMa sind wir zu Fuß unterwegs ins Soho, um Daniel zu treffen, der aus der Schweiz stammt. Kennengelernt habe ich ihn in München, als er dort an der Akademie der Bildenden Künste eine Zeit lang Kunst studiert hat. Seit zwei Jahren ist er Fahrradkurier in Basel – “aus Leidenschaft” erzählt er. Abenteuerlust hat ihn jetzt nach New York geführt – ein paar Monate wird er hier leben und als Kurier fahren. Wir treffen ihn im Double Down Saloon, einer Punk-Kneipe.



Daniel, wie kommt es dazu, dass wir dich hier in einer Punk-Kneipe treffen?
Hier ist es bodenständig und günstig. Ganz einfach. Das ist auch eine der wenigen After-Work Messenger-Bars (Anm. Kurier-Bar) in Manhattan. Hier triffst du immer wieder Mal einen Kurier an. Die meisten sind in Brooklyn, wie die East-River-Bar. Dort trifft sich die Familie.



Wo wohnst du in Brooklyn?
In Bushwik. Das kommt nach Williamsburg. Das nächste Viertel das gentrifiziert wird.



Wie sind hier die Arbeitsbedingungen für Fahrradkuriere?
Reich wird man nicht. Aber das liegt auch an der Tätigkeit. Fahrradkurier ist einer der niederen Jobs, aber darum kann man ihn auch auf der ganzen Welt machen. Hier bekommt man Anteile an jedem Auftrag. Diese Anteilen werden dann auf das ganze Team aufgeteilt. Das ist fair. Es ist also eine Mischung von Stundenlohn und was das Team schafft. Aber mir geht es nicht um Geld. Für mich ist das hier ein Arbeitsaustausch, weil ich wissen wollte, wie Fahrradkuriere hier in New York arbeiten.



Wie lange sitzt du auf dem Fahrrad am Tag?
Die Schichten sind neun Stunden. Von zehn bis sieben Uhr. Oder von acht bis fünf Uhr. Manchmal überzieht man eine halbe Stunde oder ein bißchen mehr. Durchschnittlich fahre ich so an die 100 Kilometer am Tag.



Auf Youtube gibt es diese Fahrradkurier-Rennen-Videos mit Go-Pros gefilmt. Machst du das auch?
Ja, ich bin hier ein paar Rennen mitgefahren. Aber da konnte ich noch nicht mithalten, weil ich die Straßen noch nicht gekannt habe. Ich habe ungefähr einen Monat gebraucht, um in den Verkehr hier hineinzufinden, damit ich so richtig drauflosheizen kann. Mittlerweile passt es ganz gut. Immerhin hatte ich bisher noch keinen Unfall, aber den Kurieren hier, denen passiert ständig was.



Die Menschen in New York sind ja fast schon zu freundlich. Wie empfindest du das?
Unterwegs auf der Straße werde ich eigentlich nur angeschrien. Da kann ich dir also nicht viel dazu sagen. Aber wenn ich was in einem Büro abgebe, sind die Menschen natürlich sehr freundlich.



Was ist mit dem American Dream? Ist der noch aktuell hier?
Ja doch. Den spürt man schon. Ich komme aus der Schweiz, kenne keine Sau, aber nach einem Monat konnte ich hier bei einem Kurier-Unternehmen mitfahren. Ich war viel in Bars mit und nach einem Monat kennt dich jeder. Aber es gibt eben auch die Kehrseite, denn alle können es nicht hier schaffen. Erfolg hat viel mit Bildung zu tun, und da ist das allgemeine Niveau im Schnitt eher tiefer. Da wo ich wohne, da ist die Grenze zum sogenannten Ghetto. Da merkt man das extrem. Die, die was haben, haben keinen Bock denen was abzugeben, die nichts haben – weil die, die es nicht geschafft haben, es ihrer Meinung nach nicht hart genug versucht haben.


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Fotos von Daniels Alltag als Fahrradkurier in NY:

Bildnachweis: Daniel auf dem Bett, Jan Naef Fotografie

Tagebucheintrag 1: Welcome to America – Enjoy everything.

Posted on January 7, 2014

Wir sitzen also zum ersten Mal zusammen in einer über 100.000 kg schweren Boing 767 von Delta Airlines, die Christoph und mich nach New York bringen wird. Mit drei Jahren wurde ich mit dem Fliegen sozialisiert, seit dem ist für mich mit einem Flugzeug reisen gleichbedeutend zu erholsamen Schlaf. Ich kann gar nicht anders – sobald das Flugzeug abgehoben ist, brauche ich mein Kissen und meine Decke. Die inzwischen immer ausgefeiltere Unterhaltungsmediathek interessiert mich für höchsten einen Film in einer Pause zwischen zwei Schlafphasen.

Nicht so Christoph. Schon auf dem Weg zum Flughafen wird er aufgeregt – was er natürlich nicht zugibt, aber seine roten Nervositätsflecken im Gesicht verraten. “Das sind Pickel”, rechtfertigt er. Vor dem Check-in nimmt er dann statt der empfohlenen halben Bromazepam Tablette dann doch die Ganze.

Seit den 80er Jahren hat sich in der Flugzeugausstattung nicht so viel verändert, außer dass nun jeder einen eigenen Bildschirm vor sich hat. “Jetzt kann ich endlich die ganzen Actionfilme anschauen, die ich mit dir nicht anschauen darf”, erklärt mir Christoph und öffnet Alien and Cowboys. Bei der Hälfte schläft er ein. Zum nächsten Essen wache ich auf und stupse ihn an. “Was gibt es?” Er ist schlaftrunken. “Die Tabletten wirken überhaupt nicht. Kann ich noch eine?” Ich zeige ihm den Vogel.