Posts by Veronika

Kolumbien: Medellin – San Jéronimo – Cartagena – Playa Blanca – Medellin

Posted on April 10, 2016




TIPPS:


Christoph und ich beginnen unsere gemeinsame Reise dieses Mal nicht ab Deutschland, sondern in Medellin. Ich bin schon acht Tage vor ihm nach Kolumbien geflogen und habe bereits die Route Cali – Ipiales – Tulcan – Quito – Tulcan – Ipiales – Cali mit dem Bus hinter mir. Unerwartet komme ich einen Tag früher als geplant in Cali an, weil ich in Ipiales gerade noch einen Overnight Bus erwische und Christoph bucht mir darum ein neues Flugticket von Cali nach Medellin, damit wir einen Tag mehr zusammen verbringen können. Bei der Airline Viva Colombia sind Inlandsflüge sehr billig, darum kann man schon Mal einen Flug nicht wahrnehmen.


Unterkunft:


In Medellin gelandet, wartet Christoph zusammen mit Catalina – unsere Airbnb Gastgeberin – am Flughafen auf mich. Mit dem Auto fahren wir 40 Minuten von dort ins Viertel El Poblado, in dem wir wohnen werden. Wäre die Vegetation am Straßenrand nicht so übertrieben grün, ich hätte nicht das Gefühl in Südamerika zu sein. Die Straße vom Flughafen nach Medellin ist neu, genauso sind es die Häuser, Einkaufszentren und Restaurants, an denen wir vorbeifahren. El Poblado ist sehr modern und sehr westlich. Wahrscheinlich ganz gut, um sich sehr sanft auf diesen Kontinent einzustimmen. Allerdings hat dieses Viertel natürlich nicht besonders viel mit der Lebensrealität des größten Teils der Bevölkerung hier zu tun, sondern ist vor allem Auffanghafen für Touristen. Unsere Airbnb-Unterkunft ist aber so oder so perfekt und in El Poblado lässt es sich sehr gut leben – eben gehoben. Catalina und ihr Mann Oscar haben eine sehr geschmackvoll eingerichtete Wohnung, mit vielen Pflanzen, Kunst und der weißen Langhaarkatze Lulu. Oscar sammelt unter anderem Werke des 70-Jährigen Nonuya Indianers Abel Rodriguez; die Nonuya sind ein im kolumbianischen Amazonasgebiet ansässiger Stamm. Seine Bilder inspirieren mich sehr und erinnern mich an meine illustrierten Naturlexika, die ich als Kind geliebt habe. In gewisser Weise hat Abel Rodriguez auch eine Art Lexika erschaffen, mit seinem visuell umgesetzten Amazonaserfahrungsschatz.


Nach einer Nacht in El Poblado fahren wir ungefähr eine Stunde mit einem Uber bis San Jéronimo de Antioquia und dann noch Mal eine halbe Stunde mit einem Moto-Taxi die holprigen Bergwege hoch zum Hostal La Finca, das ca. zwei Stunden von Medellin liegt, vom Exil-Münchner Alexis Goede geführt wird und uns natürlich auch von Münchner Freunden empfohlen wurde. Zu Recht: La Finca ist ein abgelegenes Paradies, sogar mit kleinem Wasserfall in der Nähe. Wir wohnen zu zweit in der oberen Etage der Finca und genießen eine großartige Aussicht ins Tal, auf den Garten, den Pool und eine rießige Terrasse inklusive Hängematten und Katzenfreundin. Wir haben drei Nächte gebucht, was sich als viel zu kurz herausstellt. Zudem wir in der dritten Nacht um 3 Uhr früh zum Flughafen aufbrechen, um nach Cartagena de Indias zu fliegen.


In Cartagena angekommen, fahren wir direkt weiter an den Strand Playa Blanca der Isla Baru, der dem Internet nach der perfekte karibische Traumstrand ist; allerdings nicht (mehr) unbedingt eingehalten wird, was zahlreich versprochen wird. Unser Hostal La Canoa ist direkt am Meer und ganz in Ordnung, sehr pragmatisch, aber ein wenig ohne Zauber. Vorab waren wir informiert, dass wir pro Person pro Tag nur einen 5-Liter-Eimer Süßwasser zum Duschen haben werden. Erstaunlich, dass das auch vollkommen reichen kann. Das Meer ist türkis, der Sand weiß – wie auf den Fotos auf Google. Nur was im Internet nicht klar wird bzw. wir bei der Recherche überlesen haben müssen, war die Dichte an Strandverkäufern und Massagefrauen, die alle 15 Minuten etwas anzubieten haben. Und, dass Playa Blanca aufgeteilt ist: in privaten und öffentlichen Strand. Jedes Hostal hat ein eigenes Stück Strand, somit haben die Touristen immer sicher genug Platz, denn dieser wird an Sonn- und Feiertagen extrem knapp, denn dann kommt gefühlt ganz Cartagena nach Playa Blanca gepilgert. Drei Nächte Playa Blanca waren dann tatsächlich auch genug, obwohl ich mich zuvor bei Christoph beschwert hatte, weil wir meiner Meinung nach im Verhältnis zu wenig Strandzeit eingerechnet hatten.


In Cartagena übernachten wir über Airbnb im Patio de La Cruz, mit wunderbarer Dachterrasse und Palmeninnenhof, mitten in der Altstadt. Diese ist leider inzwischen extrem gentrifiziert und US-amerikanisiert, aber insbesondere für Liebhaber des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez sehenswert, da es eigens eine Tour Rund um die Schauplätze seines verfilmten Romans “Die Liebe in Zeiten der Cholera” gibt.


Die restlichen vier Tage, bevor Christoph wieder nach Deutschland fliegt, verbringen wir in einer Suite im Art Hotel Medellin, das nur zwei Straßen entfernt des berüchtigten Vorglühparks Parque Lleras liegt. Wir kaufen zwar Aguardiente Antioqueño (Anissschnaps), schaffen es dann aber einfach nicht, diesen im Park zu trinken, weil das Bett im Art Hotel das Bequemste ist, in dem wir jemals geschlafen haben und damit verlängertes Sonntagsgefühl aufkommt und wir nur für kleine Ausflüge und Essen das Hotel verlassen.


Essen:


So richtig richtig ist bei mir nur bei La Cevicheria in Cartagena Wiederholungsbedarf hängengeblieben. Obwohl dieses Restaurant für Touristen ausgelegt ist, hat alles sehr, sehr gut geschmeckt und es hat einfach alles gestimmt. Generell gibt es in Kolumbien in den großen Städten internationale Küche, allerdings hat uns da nichts so richtig überzeugt, weil natürlich immer irgendetwas improvisiert war, zum Beispiel Salatmischung in der Ramen Suppe statt frischer Kräuter. Wobei es natürlich nicht der Sinn der Sache ist, Ramen oder Sushi in Kolumbien zu essen, aber im Gegensatz zu Mexiko und dem Essen dort, haben wir doch beide ziemlich schnell genug gehabt von den kolumbianischen “Arepas con Huevo”, fritierten “Empanadas” und den mit Fleisch überladenen Gerichten; auch, wenn man diese natürlich probieren sollte. Aber so richtig jeden Tag, wie viele der Einheimische hier? Musste für uns nicht sein. Darum haben wir hin und wieder Burgerladen oder Italiener aufgesucht und waren sogar vor lauter Sehnsucht in Medellin in der Bar Frankfurt. Letztere war auch sehr gut, aber natürlich nicht sehr kolumbianisch. Für Vegetarier und Liebhaber der gesunden Küche lohnt sich ein Besuch des Restaurants Verdero in El Poblado, sehr leckeres Essen, schöne Umgebung. Limonada de Coco und insgesamt alle frischen Säfte wie Ananassaft, Morasaft oder Mandarinensaft werde ich vermissen, nirgends sind diese so gut wie in Südamerika. Das kolumbianische Bier wie Club Colombia oder Agial ist auch sehr trinkbar, Wein dagegen eher schwierig.


Aktivitäten:


Bei unserem La Finca-Aufenthalt, sind wir an einem Tag in der früh um acht Uhr mit einem Nachbarn von Alexis einundhalb Stunden ausgeritten. Auf Pferden in den kolumbianischen Bergen unterwegs zu sein, war wie eine kleine Zeitreise. Sehr entschleunigend, naturverbunden und endlich ohne laute Motorengeräusche.


In Playa Blanca haben wir nachts eine Leuchtplankton-Tour mitgemacht. Eine sehr magische Erfahrung, im dunklen Meer zu schwimmen und bei jeder Bewegung das Wasser floureszieren zu sehen.


In Medellin haben wir im Museo de Antioquia neben den Werken Boteros noch viele Arbeiten internationaler Künstler im Rahmen der MDE15 angeschaut, hier war so vieles interessant und inspirierend, das wir ohne es zu merken, mehr als vier Stunden im Museum verbracht haben. Sehr sehenswert sind auch die Rolltreppen der Comuna13, denn von dort oben hat man einen fantastischen Ausblick auf Medellin.


In Kolumbien gelernt:


Die meisten Kolumbianer feiern Pablo Escobar im Gegensatz zu Netflix nicht und das Internet ist nicht mehr der beste Ratgeber für Geheimtipps, insbesondere nicht, wenn es um Reisen geht.



Fotos & Reisetipps: Tikal, Guatemala

Posted on March 4, 2014


TIPPS:

Unterkunft:

Hostal Amigos, Flores, Guatemala – alles superschön dort, es gab nur leider keine Küche.

Essen:

Den Abend bevor wir nach Tikal gefahren sind, haben wir einen Spaziergang durch Petén gemacht und sind immer wieder von den Frauen der kleinen Grillstände entlang der Straßen angesprochen worden doch bei ihnen einzukehren. Nur leider gab es natürlich nur Fleisch. Eher scherzhaft haben wir dann nachgefragt, ob wir denn auch Gemüse gegrillt bekommen, wenn wir welches vom Markt mitbringen würden? Das war dann tatsächlich kein Problem und nachdem wir Paprika, Zucchini und Tomaten Vorort klein geschnitten hatten, durften wir Platz nehmen und wenig später frisches Grillgemüse mit Reis, Salat-Beilage und kalter Cola bei einem der kleinen Straßenstände essen. Tolle Erfahrung und außergewöhnlicher Service für insgesamt 83 Quetzal für zwei!

Tour:

Wir wollten die Sonnenaufgangstour in Tikal machen – eigentlich. Leider sind wir fast eine drei viertel Stunde zu spät losgekommen, weil unser Bus jeden Teilnehmer beim Hostel oder Hotel abgeholt hat. Die Sonne war dann schon draußen – aber Tikal und die Maya Ruinen sind beeindruckend – auch wenn der Park eher die Zielgruppe ausländische Touristen hat. Da wir mit sehr engen Budget reisen, haben wir uns gegen die “Jungle Awakening Tour” entschieden, was ich im nachhinein fast ein wenig schade fand. Diese Tour beginnt bereits um 3 Uhr nachts und man erlebt die Maya Ruinen voller Dschungelleben, und wenn das Wetter stimmt, lichtet sich der Feuchtigkeitsnebel bei Sonnenaufgang. Allerdings war der Tag, an dem wir Tikal besucht haben, kein guter Tag, um dem Nebel beim lichten zu zusehen – wurde uns erzählt.

Awakening Tour pro Person:

Bus und Tour 120 Quetzal, Parkeintritt 250 Quetzal

Sonnenaufgangstour pro Person:

Bus und Tour 120 Quetzal (nach harten Verhandlungen für uns 90 Quetzal), Parkeintritt 150 Quetzal

In Tikal gelernt:

Wir hätten gerne ein Coati als Haustier.

Fotos & Reisetipps: Paradise Rainforest Tree Houses, Costa Rica

Posted on February 28, 2014

TIPPS:

Unterkunft:

Wer sich nicht mit wilden Vogelspinnen ein Revier teilen möchte, für den wird unser Dschungelerlebnis im Paradise Rainforest nicht zu empfehlen sein – für echte furchtlose Abenteuerer aber sehr! Zwei Tage haben wir mit unserer Vogelspinnenfreundin friedlich zusammengelebt, aber dann war sie uns doch am dritten Tag nicht mehr ganz so geheuer und Christoph hat sie dann für mich mit einem 1,50m langen Stock vom Balkon geschubst. Natürlich haben wir über unserer Matratze von Roberto ein Mückennetz gespannt bekommen, aber ganz ehrlich: Ich wollte einfach nicht aufwachen, weil eine Vogelspinne an meinen Füßen kitzelt. Ich liebe Tiere, aber Insekten? Geht so. Daher habe ich in der ersten Nacht zur Belustigung von Christoph, Panik vor Insekten außen auf dem Mückennetz geschoben und meinen Mumienschlafsack zum Ganzkörperkondom erklärt – nur noch meine Nase und meine Augen waren sichtbar. Aber zum Glück habe ich mich die folgenden Nächte an die vielen Insekten gewöhnt und natürlich war es auch viel zu heiß für einen Schlafsack. Elektrisches Licht gab es keines. Fließendes Wasser wird direkt vom Fluss in ein Rohrsystem gepumpt. Beim Öko-Plumps-Klo habe ich auch nur darauf gewartet, dass mich früher oder später ein Tier in den nackten Hintern beißt – aber zum Glück war meine Fantasie wilder als die Absichten der Tiere. Im Dschungel ist es generell sehr laut in der Nacht – Vögel, Affen und Grillen schreien um die Wette. Jeder Münchner Spießbürger würde wohl die Polizei rufen, würde er nachts im Dschungel nur mit Mückennetz als Schutz übernachten müssen. Die Natur kennt eben keine aufgesetzten Ruhezeiten und ja die Paradise Rainforest Treehouses waren für uns beide ein ganz großartiges Naturerlebnis – mehr echter Dschungel in Costa Rica geht wohl nicht, auch wenn es nicht gerade leicht ist, dort hinzukommen. Wir waren einen ganzen Tag mit öffentlichen Busen unterwegs von Puerto Viejo de Talamaca bis Puerto Viejo de Sarapiqui, um dann mit einer abenteuerlichen Offroad-Pickup-Taxifahrt von einem 78-Jährigen endlich bei unserer Gastfamilie anzukommen. Rosa, Juan und ihre Söhne Roberto und Juan bewirtschaften Vorort das Land, sie bauen an was sie brauchen und handeln mit grünem Pfeffer. Alles, was dort steht und wächst ist in mühevoller Handarbeit der Familie entstanden.

Essen:

Rosa macht sehr leckeren Reis mit Bohnen. Allerdings was wir nicht wussten – in Costa Rica wird das jeden Tag gegessen. Reis mit Bohnen als Grundstock jeder Mahlzeit und dazu dann eine Beilage. Das kann nach drei Tagen zu einer Reis- und Bohnenübersättigung führen. Und jeden Tag zum Frühstück: Pfannkuchen mit Kaffee. Schwarz und mit sehr viel Zucker – Rosa hat sich sehr gewundert, dass wir den Kaffee lieber ohne Zucker wollten: “Das schmeckt doch nicht!”, hat sie immer wieder beteuert. Wir haben das erste Mal auf unserer Reise nicht selbst gekocht, das wäre auch nicht wirklich möglich gewesen. Die Treehouses sind nur mit einem Grill ausgestattet – den wir dafür genutzt haben, um die Monkey Pot Nuss zu rösten, die ein wenig an eine Mischung von Maroni und Salami schmeckt.

Aktivitäten:

Jeden Tag waren wir stundenlang mit Roberto im Dschungel unterwegs, haben wilde Dschungelfrüchte gegessen, mit Ton aus dem Fluss getöpfert, Vögel und andere wilde Tiere beobachtet und sehr viel über die Fauna und Flora in Costa Rica gelernt. Es waren sehr persönliche Spaziergänge, bei denen wir Hunderte von Fragen gestellt und mindestens genauso vielen Geschichten gelauscht haben. Kein Vergleich zu typischen Touri-Führungen in viel zu großen Gruppen.

Im Dschungel gelernt:

So wie bei Geo-Reportagen ist es nicht im Dschungel. Es springt definitiv nicht jede Minute ein neues gefährliches Tier aus dem Busch.

Fotos & Reisetipps: Guna Yala Inseln (San Blas), Panama

Posted on February 18, 2014



TIPPS:

Unterkunft:

Geplant waren drei Tage Segeln zum indianischen Archipel Guna Yala (San Blas), Panama als Gäste auf der kanadischen Segeljacht “Jus´ Pasin´ Through” inkl. Schiffskater Mitschi. Für 60 $ pro Kopf ab Bocas del Toro. Daraus wurden dann vorerst nur zwei Tage segeln durch einen Sturm auf offenem Meer – hier der Tagebucheintrag zum Sturm. Route mit Unterbrechung: Bocas del Toro – Marine Shelter Bay – Portobelo – San Blas – Portobelo. Die ursprüngliche Crew ist nach den zwei Tagen Sturm in Shelter Bay abgesprungen und wir haben kurzerhand als neue Crew gegen Kost und Logis angeheuert. Wir sind daher von unserem Doppelbett-Schlafplatz umgesiedelt in eine engere Crew-Schlafnische, die wir danach nicht vermisst haben, da sie eher für einen großen Menschen aber nicht für zwei gedacht war. Aus den drei Tagen sind 10 Tage geworden, unteranderem weil wir auf gute Wetterbedingungen warten mussten, das Schiff repariert und neue Gäste angeworben werden mussten. Wir haben jeden Tag ein paar Stunden gearbeitet, aber auch genug Freizeit bekommen – für uns ein zufälliges Work and Travel. Ein Segeltörn ohne große Unkosten.

Essen:

Während des Sturms haben die zwei Köchinnen für ein Mittagessen Käsenudeln und für ein Abendessen Frijoles gemacht – war ok. Weitere Mahlzeiten konnten nicht zubereitet bzw. auch nicht unten behalten werden. Daher gab es Medizin gegen Seekrankheit: Ingwer-Tee, Ginger-Ale, Reis-Cracker und Salzkekse. Die Tage nach dem Sturm war es für uns die beste Entscheidung selbst für die Verpflegung der Mannschaft und Gäste verantwortlich zu sein, da wir beide sehr gerne kochen. Zubereitet haben wir Pasta mit Tomaten-Thunfisch-Soße, spanisches Omelette, von Christoph gefangener Fisch mit Patacones, Tuna-Sandwiches, Käse-Sandwiches, Pan-Cakes mit echtem kanadischen Ahornsirup und frischer Ananas, u.v. – alles so, dass es uns auch geschmeckt und glücklich gemacht hat. Highlight war die letzte Nacht in San Blas, als Ian uns mit zu einer Hummerzucht auf Wichu Wala genommen hat. Er hat die wirklich riesigen Hummer dann auf dem Schiff für uns zubereitet – mit unterschiedlichen Dipps: Cocos-Knoblauch-Öl, Knoblauch-Öl und Limettensaft. Nachspeise: Kokoskekse. Perfekt.

Aktivitäten:

Zeit auf einem Segelschiff als Crew ohne Erfahrung zu verbringen, war schon eine Herausforderung an sich. Zusammen mit Ian waren wir während dem Zwischenstopp in der Marine Shelter Bay am Panama Kanal und der Schiffswerft spazieren – dort haben wir sehr interessante Einblicke gewonnen, vor allem in die Mentalität und Philosophie der Segelschiffbesitzer. Wir haben bei unserem nächsten Stop im Hafen von Portobelo geankert – eine Bucht, die schon Christopher Kolumbus 1502 entdeckte und 1561 von der spanischen Silberflotte genutzt wurde – und uns die Ruinen des Forts dort angesehen: Die Festung ist als UNESCO Weltkulturerbe gelistet, verfällt aber leider vor sich hin. In Guna Yala haben wir zwischen zwei kleinen Kokospalmen-Inseln geankert, die wir jeweils mit dem Ruderboot besucht haben. Sonnen, schnorcheln, türkises Karibikmeer und weißen Sandstrand genießen – was will man mehr?

Vom Segeln gelernt:

Wenn die Natur keine Lust hat, dann hat sie keine. Wir können zwar als Mensch freie Entscheidungen treffen, aber die Natur bestimmt am Ende trotzdem die Richtung.

Tagebucheintrag 4: How far is Happyland

Posted on February 7, 2014

“Wolltest du nicht unbedingt segeln?”, frägt mich Christoph und zeigt auf einen Flyer der im Coconut Hostel in Bocas del Toro, Panama klebt. “Sailing to San Blas. Leaving the 21th of January. Contact: Ian”, steht dort. Schon tagelang davor habe ich immer wieder davon gesprochen, dass ich per Anhalter mit auf ein Segelschiff will. Nicht, dass ich Ahnung hätte, vom Segeln – aber für mich war das schon länger ein heimlicher Traum. Wir googeln also San Blas und sind sofort überzeugt von diesen kleinen mit Kokospalmen bewirtschafteten Inseln, inmitten von türkisblauem Karibikmeer. Ohne uns große Hoffnungen zu machen, schreiben wir eine E-Mail an Ian. Übernacht haben wir das so gut wie vergessen und die Möglichkeit eigentlich auch schon aufgegeben. Mit gepackten Rucksäcken für die Weiterfahrt nach Costa Rica sitzen wir am Morgen des 21.01. im viel zu engen Hostel-Zimmer, als es an der Tür klopft: „Veronika?“ Es ist Ian, er hat noch zwei Plätze frei, aber wenn wir mit wollen, dann jetzt.

Costa Rica? Planänderung.

Mit dem Wassertaxi bringt uns Ian zu seiner Jus´ Pasin´ Thru. An Bord werde ich überschwänglich begrüßt – von Mitschi, dem Schiffs-kater, der mich endgültig überzeugt hätte, würde ich noch Zweifel gehabt haben, an unserer spontanen Entscheidung. Beim Chinesen neben dem Steg kaufen wir – nachdem wir die Crew und Mitreisenden kennengelernt haben – noch 20 Liter Wasser, Panama-Bier für Christoph und ein Kilo Salzkekse ein, falls wir seekrank werden sollten. Als wir eine Stunde später ablegen, zieht der Himmel zu. Es fallen ein paar Regentropfen. „Hoffentlich kein schlechtes Zeichen“, sagt Ian.

Gemütlich fahren wir durch die Bocas del Toro Inselgruppen, Ian erzählt uns den neuesten Klatsch und Tratsch und ein paar Gruselgeschichten von Bocas. Ich setze mich nach einer Weile mit Christoph vorne auf das Schiff, auf unser selbst ernanntes Sonnendeck – auch wenn die Sonne gerade nicht scheint. Wir haben Bocas hinter uns gelassen, was bedeutet, dass wir nicht mehr im Windschatten der Inseln sind. Deutlich merken wir das an den Wellen und dem Wind, der die Segel ordentlich ausnutzt. Nur so für alle Fälle lese ich Christoph und mir aus dem Buch “Cruising for Cowards” die Passage über Seekrankheit vor. Er hakt ein paar Mal ganz genau nach, als ich die Symptome Gähnen, Kopfschmerzen, Schwindel, Zwangsschlucken, Erbrechen und Depression vorlese. Ian frägt: “Fühlt ihr euch nicht gut?” Ich verneine – wir lesen uns das schließlich nur zur Unterhaltung vor.

Die Wellen sind inzwischen auf zwei Meter angewachsen. Sébastian muss sich als Erster an Bord übergeben, was ich niemals erwartet hätte, weil er doch der Stämmigste und Kräftigste von uns allen zu sein schien. Ich schenke ihm einen Reisekaugummi. Noch ist mir nicht schlecht, aber ich kaue auch lieber vorsorglich einen und gebe auch Christoph einen. Ian sitzt mit Sorgenfalten auf der Stirn am Steuer und durchblättert gleichzeitig ein Buch mit Hinweisen auf sichere Ankerplätze. “Es wird wohl besser sein, wenn wir bei der nächsten Bucht ankern und übernachten – das sieht mir nicht so gut aus”, erklärt er uns. Sébastian nickt nur erleichtert.

Nachts wache ich im Stunden-Takt auf. Irgendetwas knallt in regelmäßigen Abständen immer wieder mit voller Wucht von außen gegen unsere Kabine, so als würden wir einen Eisberg rammen. Ich wecke Christoph auf: “Was ist das?” Mir ist gruselig. Er sagt nur – das ist sicher nur das Rettungsboot, das vom Wind gegen das Schiff geschaukelt wird. Ich mache meine Augen wieder zu und wache wieder auf, weil ich davon träume, dass uns die Indianer von der Insel mit Kokosnüssen beschießen. Einschlafen kann ich dann nicht mehr, ich schiebe Panik, dass wir auf Grund laufen. Als die Sonne aufgeht, wird Gabriél wach – zu gut gelaunt: “Ich habe wie ein Baby in der Wiege geschlafen.” Na toll. Wie kann man bei so einem Wellengang gut schlafen? Aber Gabriél ist mit seinen 50 Jahren auch schon viel gesegelt, hatte er zumindest gestern noch erzählt. Ian inspiziert kurz nachdem er aufgestanden ist das Deck und erzählt uns, dass der Wind gedreht hat in der Nacht. Was an das Schiff geschlagen hatte, war die Ankerkette. Der Wind und der Wellengang waren so stark, dass sie das Ankergewinde komplett verbogen haben.

Ab dem Zeitpunkt ist uns allen acht klar, dass wir durch den Sturm nach San Blas segeln werden – zurückfahren war für keinen von uns eine Option. Vorraussichtliche Segelstunden vor uns: 75. Ich frühstücke daher fast nichts, so ganz fit fühle ich mich auch nicht mehr.

Nach ein paar Stunden geht Sébastian lieber gleich mit Tropfen gegen Übelkeit auf seine Liege. Schon jetzt kann er nichts mehr unten behalten. Die anderen zwei Frauen an Bord legen sich auch lieber nach unten. Christoph sieht ebenfalls nicht mehr so glücklich aus. Die Wellen sind jetzt zwischen drei und vier Meter. Ohne Festhalten geht nichts mehr. Gabriél und Ian wechseln sich am Steuer ab. Zu Essen gibt es nur noch Salzkekse und chinesische Reisecracker. Zwischen einer Zwei-Meter-Welle von links und einer Vier-Meter-Welle von rechts frägt Tran, der 79-jährige Vietnamese nach Nudelsuppe. Ian, Gabriél und ich schauen uns ungläubig an, ob wir richtig gehört haben. Wie kann man denn jetzt Hunger haben? Christoph kämpft währenddessen auf dem Sonnendeck im Liegen gegen Übelkeit.

Dann wird es dunkel, aber sternenklar. Sorgen macht mir Tran, der sich mit beiden Händen auf der Bank liegend an einer Stahlstange festhält. Er scheint der Erste zu sein, der in einer Sekunde von fehlender Konzentration über Bord gehen könnte. Gerade will ich Ian darauf hinweisen, als die nächste Welle Trans Hände losreist und er Ian ins Steuer fällt. Ian schickt ihn nach unten – es sieht fast noch lebensgefährlich aus, wie Tran die steile Treppe nach unten schwankt. Dort angekommen verharrt er, wie ich finde zu lange mit einer Hand festgekrallt an einem Schrank. Ich frage noch: “Tran – geht es dir gut?” Dann schießt eine Kotz-Fontäne aus ihm heraus – auf die Rucksäcke und Klamotten der Anderen, die inzwischen wegen der hohen See im ganzen Gang verteilt sind. “Kannst du ihm helfen?”, spricht mich Ian an. Auf gar keinen Fall. Wenn ich eines nicht kann, dann Erbrochenes aufwischen, ohne mich nicht selbst im nächsten Moment übergeben zu müssen. Gabriél übernimmt also das Steuer, Ian geht runter um das Nötigste aufzuwischen. Tran kriecht an Deck, er will lieber oben bleiben – sein Hemd immer noch voller Reste von Erbrochenem. Als Ian wieder hochkommt – kann Gabriél nicht mehr. Er dreht sich um und hängt minutenlang über der Reling. Ich schreie vor zu Christoph, dass er jetzt vom Sonnendeck runter kommen soll. Sofort. Ich sehe schon vor mir, wie er von Bord geht. Widerwillig kommt er und setzt sich neben mich. Zum ersten Mal verstehe ich, was es heißt, grün im Gesicht zu sein. Keine fünf Minuten später dreht auch er sich Richtung Meer. Ich muss laut loslachen, als er sich dann dafür entschuldigt, dass er gerade kotzen musste. Mir fällt ein, dass wir vor ein paar Tagen darüber geredet hatten, dass wir uns noch nie beim Kotzen erlebt haben. Dafür jetzt richtig.

Nach einer Weile sagt Christoph zu mir: “Vroni, ich glaube ich fange an zu halluzinieren. Ich sehe die ganze Zeit in den Wellen Hände die nach mir greifen.” Okay. Ich frage nur zurück: “Wo?” Ich will die auch sehen. Wenig später gibt Gabriél bescheid, dass er jetzt auch nicht mehr kann und sich unten mit Schlaftablette hinlegen wird. Dann bekommt das große Segel einen Riss und Ian wendet sich zu Christoph: “Kannst du das Steuer halten? Ich muss die Segel einholen.” “Klar”, erwidert Christoph. Steht auf, hält das Steuer fünf Sekunden, dreht sich um und muss sich sofort übergeben. “Sorry, geht nicht, wenn ich nur versuche mich zu konzentrieren wird mir sofort schlecht”, sagt er dann und kann immer hin noch darüber lachen. Das Segel muss also noch bleiben. Ian beschließt vorerst die Route nach San Blas abzubrechen. Das bedeutet aber noch immer über 18 Stunden durch den Sturm – der nächste Hafen ist bei Colon am Panama Kanal. Christoph und ich sind nur noch auf der Bank zusammen gekauert, ich habe den Schlafsack um mich gewickelt. Eine große Welle schwappt ins Schiff – und durchnässt mich komplett. Ian holt mir Handtücher, die ich jetzt um mich wickle. Alles nur nicht runter in den Schiffsbauch. Irgendwann frägt uns Ian vollkommen übermüdet: “Könnt ihr Mal schauen. Ist das große Licht dort ein Schiff? Ich sehe nicht mehr gut.” Einige Minuten fokussieren wir das Licht. Was ist das? “Der Mond!”, schreit Christoph. “Das ist der Mond!”, erkläre ich auch. Erleichterung.

Eine Stunde später ziehen Regenwolken auf. Wir dachten wir haben schon hohen Wellengang – aber jetzt türmen sich dunkle Monster von bis zu fünf Metern vor uns. Ian erklärt besorgt: “Jetzt kommt der wirkliche Sturm.” Mir wird klar, dass ich jetzt wohl runter muss, denn wenn ich anfange durchnässt zu frieren, dann habe ich bald keine Kraft mehr, mich festzuhalten. Bei dem Gedanken daran wird mir schon fast schlecht, aber hilft ja nichts. Ich balanciere also die Treppe hinunter und mir beißt es sofort in der Nase. Es stinkt nach Kotze, Klo und Schweiß. Durcheinander liegen die Bücher aus den Regalen auf dem Boden. Aus den Küchenschränken sind die Töpfe herausgefallen. Gepäckstücke pflastern den Weg zu meinem Bett, das ganz am Ende des Vier-Meter-Gangs ist. Auf beiden Seiten vor sich Hindämmernde und Leidende. Ich steige über alles und alle drüber, werde von links nach rechts geschmissen, aber ich komme an. Jetzt ist auch mir wirklich sehr schlecht. Ich lege mich auf die Matratze, vor meinem Bett sehe ich das Katzenklo. Oh Gott – das macht mich so glücklich. Mir kommt die Spucke hoch und ich übergebe mich ins Katzenklo – nicht ins Schiff und nicht aufs Bett. Immerhin.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wird es hell – ich riskiere einen Blick von meinem Bett durch die Tür. Christoph sitzt am Steuer. Wahnsinn. Benommen versuche ich die Kamera herauszusuchen, versuche kurz durch den Auslöser zu schauen. Unmöglich, ich kann nicht fotografieren. Mir wird sofort wieder schlecht.

Dann sind wir auf ein Mal gleich da, ich muss für ein paar Stunden eingeschlafen sein. Christoph hat Ian abgelöst, der musste – nach mehr als 48 Stunden Wachsein und davon 14 Stunden am Stück navigieren – komplett erschöpft am Ende seiner Kräfte, am Steuer mit Sekundenschlaf kämpfen.

Als wir im Yacht Klub Shelter Bay Marina, gleich am Panama Kanal vertauen, sind auf ein Mal alle wieder fit. Keine Spur von Seekrankheit. Aber keiner will weiterfahren. Nur noch Ian, Christoph, ich und Mitschi sind übrig. Wir bleiben. Wir wollen es noch immer nach San Blas, unsere karibische Trauminsel, schaffen. Dann aber sagt Christoph zu mir: “Das war also dein Traum?” Ich bekomme Angst, dass er jetzt einen Rückzieher machen wird, aber dann lacht er und fügt hinzu: “Ich weiß jetzt, was alle immer mit diesem Segeln haben. Als ich da Auge in Auge mit dem Meer und dem Sturm gekämpft habe – das hat mir Spaß gemacht.”

Fotos & Reisetipps: Bocas del Toro – Isla Bastimentos, Panama, Januar 2014

Posted on January 25, 2014

Unterkunft:

Von Panama Citys Bus Bahnhof Albrook sind wir für 27 $ pro Person mit dem Overnight-Bus nach Almirante gefahren, um mit einem kleineren Schnellboot für 6 $ nach Bocas City – dem Anlaufpunkt der Inselgruppe Bocas del Toro – überzusetzen. Bocas City hat uns sehr enttäuscht. Es ist ein kleine, sehr schäbige Stadt, mit vollgemülltem Park. Sicherlich ist Bocas City nur der Touristen-Umschlagplatz – für die meisten geht es dann weiter zu den umliegenden Ressorts. Wir haben eine Nacht im Coconut Hostel geschlafen. Unsere erste Wahl wäre Casa Verde gewesen, dieses Hostel sollte man aber bereits früh buchen. Das Coconut Hostel ist sicher in Ordnung – 15$ pro Nacht und Kopf. Allerdings schon – wie generell ganz Bocas – komplett überteuert. Wir haben Bocas von allen mit denen wir gesprochen haben wärmstens empfohlen bekommen, haben aber festgestellt, dass es nicht das war, was wir uns unter einer Insel vorstellen.

Essen:

Pancake-Frühstück gab es im Hostel – aber von ein bis zwei pro Person einkalkulierten Pancakes mit halber Banane wird man nicht wirklich satt. Wir haben versucht zu dem einheimischen Essensstand „El Beso del Dragon“ zu gelangen, zu dem wir mehr als eine halbe Stunde hingelaufen sind, der hatte aber Abends schon zu. Am Ende haben wir doch lieber – auch überteuert – Essen eingekauft und im Hostel zubereitet.

Aktivitäten:

Die Wahl wäre auf die Red Frog Beach gefallen – für 7$ pro Kopf mit dem Bus-Boot hin. Aus Neugierde haben wir an anderen Wasser-Taxi-Ständen nach dem Preis gefragt und uns dann aber für eine Fahrt nach Isla Bastimentos entschieden: Für 5$ pro Person. Der Taxifahrer warnte uns vor Dieben auf der Insel, ebenfalls ein der Polizist vor Ort. Wir hatten aber zuvor auf Airbnb die kleine Organic Farm „Up the Hill“ recherchiert und uns für das Risiko entschieden – zum Glück. In Bastimentos angekommen, sind wir ungefähr 20 Minuten einen kleinen Trampelpfad den Inselberg hochgelaufen und haben ein wunderschönes, kleines Zuhause des Argentinisch-Irischen Pärchens Janette und Javi gefunden. Sie vermieten auch zwei Logdes. Zu empfehlen für Reisende, die ein paar einsame Tage im Dschungel einer Insel suchen. Dort haben wir auch erfahren, dass ein amerikanischer Surfer seinen Rucksack mit 3000$ am Strand unbeobachtet während dem Surfen liegen gelassen hatte – jemand hat dann wohl die Gelegenheit ausgenutzt. Seitdem also der schlechte Ruf der Insel. Aber eigentlich ist sie nicht wirklich gefährlich. Wir sind dann ca. eine halbe Stunde von Up the Hill einen sehr abenteuerlichen Weg zur Wizzard Beach gewandert – ein perfekter, einsamer Surfspot, den wir uns mit nur ein paar wenigen Surfern geteilt haben. Danach war es wirklich der perfekte Abschluss frisch gemachte Limonade, Milchkaffee und selbst gemachte Schoko-Trüffel, wieder oben bei Up the Hill angekommen, zu genießen.

In Bocas gelernt:

Ein Ruf muss nicht die Realität sein. Reisen heißt tatsächlich vor allem, sich selbst ein Bild machen zu können.

Ist ein Ort schon von amerikanischen Touristen entdeckt worden, wird er meist überteuert und amerikanisiert sein.

Wer nichts von Wert bei sich trägt, dem kann auch nichts geklaut werden. Besitz macht eben doch unfrei.

Tagebucheintrag 3: Zen

Posted on January 17, 2014

In Cancún liegt unser Zuhause auf Zeit in der Calle Naranja, der Orangenstraße. Es ist ein schönes Häuschen. Auf dem Holzsideboard in der Gemeinschaftsküche steht ein Miniatur-Zengarten. Ich stehe am Garten und reche den weißen Sand, dann klopfe ich ihn mit einer Schaufel flach. Der Sand muss eine einzige glatte Fläche werden. Ich kann da sehr perfektionistisch sein. “Machst du Mal fertig? Wir müssen los zum Flughafenbus”, ruft Christoph. – Jetzt nicht! Ich bin beschäftigt, antworte ich. “Was machst du denn die ganze Zeit?” – Den Zengarten pflegen.

Tagebucheintrag 2: To-Do after New York

Posted on January 12, 2014

  • move to New York
  • write a bestseller
  • make the first million before my thirties
  • get famous
  • build a museum

Wir warten an der Bleeker Street auf die U-Bahn, als ich Christoph von meinen neuen Plänen informiere.

“Du gehst mir mit diesem vor dreißig Gerede echt auf die Nerven”, sagt er nur dazu. Warum? Denke ich erst und sage es dann auch.
Sehe ich gar nicht ein. Wer, wenn nicht ich, soll bitte “The one in a million” sein?

– Christoph, dass ich noch nicht famous bin liegt nur an dir. Gleich breche ich eine Streit vom Zaun, wenn ich so weiter mache. Christoph nennt so eine Situation gerne Szene.
“Willst du sagen, ich unterstütze dich nicht?” Ja. “Ich glaube es hakt.”

Ich weiß, ich habe das Zeug zum Überkünstler. Oder so. Nur Frauen haben ein generelles Problem in der Kunstszene, wegen den Männern. Mein Prof meinte, wer in der Kunst was werden will, muss mit den richtigen Galeristen schlafen. Ich schlafe mit dem Richtigen, aber deswegen bin ich noch lange nicht famous.

Wir verharren in der vom U-Bahn-Steig gebrochenen Szene etwa 20 Minuten und warten auf die M Linie. Unser Ziel ist The Dinner im Hipsterviertel Williamsburg. Es ist halb drei und der Laden schließt um vier. Im Fünfminuten-Takt kommt nur die F. Das und die Szene wird uns zu blöd und auf einem Schild lese ich endlich die Lösung: Die M fährt nur weekdays. Heute ist Samstag. Das wird wohl nichts mehr mit Burger im The Dinner.

 

#fail

Während wir abwägen was wir jetzt machen, übt neben uns das nächste American Idol “You make me feel” von Aretha Franklin – ob wir zuhören wollen, oder nicht. U-Bahn-Fahren in New York ist eine Jukebox. Bei jeder Station wird ein neuer Song gespielt.